Vortrag zu den Themen „Landwirtschaft, Jagd und Gastronomie“

im Gasthof „Sternmühle“ am 25. und 27.02.2026         

VG 031 der Volkssolidarität

Sei es die Vielzahl der interessanten Themen, das in Aussicht gestellte gute Essen, die zusätzlich ins Programm genommene Schnitzausstellung oder einfach nur die Summe von allen - diese Veranstaltung sprengte einfach den Rahmen. Deshalb folgte dem Termin am 25.02.2026 in der Sternmühle ein zweiter am 27.02.2026. Die Aktiven erklärten sich spontan dazu bereit und unsere Marita dirigierte mit viel Einsatz eine große Schar von Mitgliedern und Gästen um.

In Summe gab es mehr Zuhörer als unsere Wohngruppe Mitglieder hat.

Frank Hommel eröffnete 11 Uhr die Veranstaltung. Danach verlor Dieter Stößel ein paar Worte über den Hobbyschnitzer Siegfried Werner, seine Ausstellung und über den Schnitzverein „Sonnige Höhe“. Dazu  nachher mehr.

Der promovierte Landwirt Dr. Enrico Sieber stellte sich und seinen Werdegang vor und berichtete, wie man mit der Untersuchung der Ausdünstungen von Mastschweinen zum Titel eines Doktors der Agrarwissenschaft kommt. Die Schilderung war wesentlich verständlicher als die plagiatsgestützten Themen einiger Politiker. In seinen Reisejahren auf verschiedenen Kontinenten lernte er viele Gaststätten- und Beherbergunsbetriebe kennen und registrierte, was man gut und besser machen könnte. 

Es folgte ein köstliches Mittagessen, vorbestellt aus 5 Wahlessen. Die Mannschaft der Sternmühle schalteten wie gewohnt den Turbo ein, so dass niemand im Anblick der Erstversorgten Hunger leiden musste.

Enrico Sieber legte mit dem ersten Thema Gastronomie los.

Er ist seit 2014 Inhaber der Gaststätte „Sternmühle“ im schönen Sternmühlental. In Altenhain aufgewachsen, sicherte er und seine Familie mit dessen Erwerb den Fortbestand des Hauses unter einheimischer Führung. Das Konzept der traditionellen einheimischen Küche, gepaart mit neuen Ideen wie dem Burgertag, geht auf. Großer Wert wird auf regionale Zulieferer gelegt. Neben der Verköstigung von Ausflüglern werden im Haus viele Familien-, Vereins- und Firmenfeiern ausgerichtet. Auf Bildern konnten wir einen Blick in die Küche mit dem zentralen konventionellen Kohleherd werfen.

Anfang 2025 übernahm Enrico Sieber außerdem das Hotel und Restaurant Kleinolbersdorf vom Vorgänger, der in den Ruhestand ging. Damit werden die Beherbergung und die Tradition der Veranstaltungen weitergeführt und Gäste der „Sternmühle“ aus der Ferne finden am Ort eine Übernachtung.

In seiner Eigenschaft als Landwirt und Jäger beliefert er seine Häuser mit frischem Rind und Wild.

Damit zum zweiten Thema, der Jagd.

Herr Sieber gab einen kurzen Einblick in die Grenzen des örtlichen Jagdreviers, Jagdpacht, Jägersprache, Jagdzeiten, Rechte und Pflichten des Jägers und Zahlen zum erlegten Wild. Vorwiegend werden im Revier Rehwild und Wildschweine gejagt. Die Jagd hat sich durch den Einsatz von Technik bedeutend geändert. Das Thema allein hätte einen Tag gefüllt.

Nun folgte das Hauptthema, die Landwirtschaft.

Herr Sieber übernahm 2016 einen landwirtschaftlichen Betrieb in Einsiedel, stellte den Betrieb von Milchwirtschaft auf Fleischproduktion um und hält jetzt ca. 70 Rinder der Rassen Fleckvieh und Deutsch Angus. Diese werden während der Saison im Herdenverband auf der Weide gehalten. Sie werden ausschließlich regional geschlachtet und vermarktet, ein wesentlicher Fakt für Tierwohl und Qualität des Fleisches. Ein großer Abnehmer ist neben den eigenen Gastronomiebetrieben die Fleischerei Nagy in Dittersdorf.

2023 folgte die Übernahme eines weiteren landwirtschaftlichen Betriebes in Seiffen und Neuhausen. Der Betrieb umfasst ca. 600 Rinder, davon ca. 400 Milchkühe sowie ca. 1000 ha Acker- und Grünland. Erstaunlich bei dieser Größenordnung ist, dass dieser Betrieb von nur 12 Produktionsarbeitern geführt wird.

Im Vortrag wurden die technischen Errungenschaften genannt, die die Tierhaltung in diesem Umfang erst möglich machen, wie z.B. intelligente Melkanlagen, permanente Datenerfassung mittels Transponder  und automatisierte optimierte Fütterung. Nur so ist ein kaufmännisches Überleben dieser Ställe bei dem vorhandenen Preisdruck des Marktes möglich, der für die heimischen Landwirte durch das geplante Mercosur-Abkommen noch verstärkt werden würde. Wir können dies durch unser Kaufverhalten beeinflussen, indem wir Butter und Milch nicht zu Dumpingpreisen konsumieren.

Es folgten Ausführungen und Bilder über die Feldwirtschaft und dem erstaunlichen technischen Wandel, der sich in den letzten Jahren vollzogen hat. Mega-Maschinen, vollgepackt mit Automatisierungskomponenten, schaffen mit einem Mann Besatzung ein Vielfaches von ganzen Bauernbrigaden der ehemaligen LPG. Solche Maschinen haben allerdings auch Mega-Preise und wollen in der kurzen Erntezeit ausgelastet werden.

Kooperationen in der Maschinentechnik und Logistik sind deshalb besonders wichtig. Die Arbeit des Landwirtes hat sich vom Knochenjob in Richtung Kopfarbeit geändert.

Dazu gehören eine ordentliche Portion kaufmännischer Aufgaben und die Erfüllung der Anforderungen des Umweltrechts und einer oft ausufernden Bürokratie.

Der Referent engagiert sich in der Forschung, z.B. zum Bau von Prototypen von Zugmaschinen mit autonomen Fahren sowie als Dozent bei der Ausbildung von Agrarwissenschaftlern an der Martin-Luther-Universität in Halle.

Wir danken Dr. Enrico Sieber für die kurzweiligen und interessanten Ausführungen und sein Engagement für die Erhaltung der örtlichen Gastronomie und wünschen ihm, seinen Angehörigen und Mitarbeitern viel Schaffenskraft.

Begleitend zum Vortrag hatte Siegfried Werner vom Schnitzverein „Sonnige Höhe“ Chemnitz eine Schnitzausstellung aufgebaut. Dieter Stößel und später die Vorstandsmitglieder des Schnitzvereins Torsten Hohenberger und Detlef Urban berichteten über das Zustandekommen der Ausstellung und die Arbeit des Schnitzvereins. Auf 15 Tafeln wurden Szenen aus der Landwirtschaft der 50er Jahre dargestellt. Mit viel Detailtreue konnte man Heuernte und -einfuhr, Getreidedrusch, Waldarbeiten im Winter, Jaucheausbringung und vieles mehr bestaunen.  Die Ausstellung in dieser Form wurde in der „Sternmühle“ zum ersten Mal gezeigt. Der Aussteller kam mit vielen Gästen ins Gespräch, die das Gezeigte in der Kindheit noch live miterlebt hatten.

Die Besucher wurden eingeladen, am 07. und 08. März die Erzgebirgische Schnitzausstellung in Annaberg und am Pfingstsonntag dem 24. Mai den Tag der offenen Tür des Schnitzvereins „Sonnige Höhe“ im Beimlergebiet zu besuchen. Mehr dazu unter www.schnitzverein-sonnige-hoehe.de.

Es erfolgte das Angebot, eine komplette Veranstaltung der Wohngruppe über das Schnitzhandwerk einschließlich Ausstellung von Werken und Schauschnitzen zu bestreiten.

Zum Schluss sei nochmal allen Beteiligten der Veranstaltung, Marita Gechert für die Vorbereitungen, die Schlussworte und die liebevollen Präsente und dem gesamten Gaststättenpersonal für die hervorragende Bewirtung gedankt.

Dieter Stößel.

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