Obwohl es nach der Wende wesentlich weniger Mitglieder und daher auch weniger Ortsgruppen der Volkssolidarität Chemnitz gab, blieben ihre Motive für das Engagement nahezu konstant. Gemeinsame Treffen, Veranstaltungen und Feiern sowie Ausflüge standen und stehen nach wie vor in ihren Jahresprogrammen. Ebenso wird das ehrenamtliche Engagement weiterhin großgeschrieben. Selbst noch im hohen Alter begeben sich die Volkshelfer der Volkssolidarität im Rahmen der Nachbarschaftshilfe auf den mitunter beschwerlichen Weg, um anderen Menschen zu helfen. Glückwünsche überbringen, zu Veranstaltungen einladen, beim Einkauf helfen oder einfach nur für den anderen da sein – die Unterstützung der Mitglieder und hilfebedürftigen Menschen ist vielseitig. Die Volkshelfer leisten dadurch einen wichtigen Beitrag gegen die drohende Vereinsamung im Alter. Das Motto der Volkssolidarität „miteinander – füreinander“ wurde und wird nicht nur in Chemnitz, sondern auch in vielen anderen Stadt-, Kreis- und Regionalverbänden der Volkssolidarität weiterhin gelebt und folgerichtig im Jahr 2014 durch die Bundesdelegiertenkonferenz mit „Solidarität leben“ ergänzt.
In den Jahren 2000 bis 2004 erfolgte eine Neustrukturierung der Ortsgruppen und ihre Umbenennung in Wohngruppen. Diese können ihre Handlungsfähigkeit erhöhen, wenn sie starke Leitungen haben und durch größere Mitgliederzahlen auch über höhere finanzielle Mittel verfügen. Mehrere Wohngruppen schlossen sich daraufhin zusammen. In den Leitungen werden seitdem neben dem Wohngruppenleiter, seinem Stellvertreter, Hauptkassierer und Revisor auch Verantwortliche für Kultur und soziale Betreuung gewählt. Entsprechend ihren Verantwortungsbereichen werden die Leitungsmitglieder geschult.
Die Volkshelfer verbanden ihre Besuche mit dem Kassieren des Mitgliedsbeitrages und brachten ab 1999 die „VS Aktuell“ ins Haus. Viele Mitglieder lesen nicht nur das Mitgliedermagazin des Stadtverbandes, sondern senden auch Berichte aus dem vielfältigen Mitgliederleben zur Veröffentlichung an die Redaktion.
Die Listensammlung ist ebenfalls eine Tradition, die viele Stadt-, Kreis und Regionalverbände nach der Wende weitergeführt haben. In Chemnitz findet die Spendenaktion gewöhnlich im Herbst statt. Die Mitglieder sammeln Spenden für gemeinnützige Zwecke und erfassen diese auf einer Liste. Dank der Erlöse konnte bspw. die Ausstattung von Begegnungsstätten und Stadtteiltreffs erneuert oder Gartenprojekte in den Kindertagesstätten umgesetzt werden.
Dem Wunsch vieler Mitglieder nachkommend, dabei nicht nur an die Kinder in den Einrichtungen der Volkssolidarität Chemnitz zu denken, steht seit vielen Jahren ein Teil der gesammelten Spenden zur Ausgestaltung der „LichtNacht Chemnitz“ zur Verfügung. Die Idee für diese seit 2008 jährlich stattfindende Veranstaltung entstand, als im Jahr 2005 anlässlich des 60. Jahrestages der Volkssolidarität an einem eigens organisierten Lampionumzug in der Chemnitzer Innenstadt mehrere hundert Menschen teilnahmen. Mittlerweile beginnt der Umzug auf der Schlossteichinsel und endet mit einer Feuershow auf den Treppen der Küchwaldbühne. Bis zu viertausend Kinder, Eltern und Großeltern haben pro Veranstaltung bereits teilgenommen.
Einige Mitgliedergruppen unterstützen zudem spezielle Projekte der Volkssolidarität Chemnitz für Kinder und Jugendliche. So lädt der Stadtverband seit 2005 gemeinsam mit den Streetworkern des Alternativen Jugendzentrums Chemnitz e. V. Jugendliche und ihre Kinder zu einem festlichen Weihnachtsessen ein, die sonst aufgrund ihrer finanziellen oder familiären Situation nicht in diesen Genuss kommen würden. Seit 2007 wird zudem jedes Jahr eine Weihnachtsfeier für Kinder organisiert, deren Eltern nur über wenig Geld verfügen. Verschenkt werden hierbei vorwiegend dringend benötigte Anziehsachen.
Im Oktober 1996 fand für die Mitglieder der Volkssolidarität in der Chemnitzer Stadthalle die Veranstaltung „Buntes Herbstlaub“ erstmalig statt und wird zur jährlichen Tradition. Bekannte und noch weniger bekannte Künstler, aber auch die Chöre der Volkssolidarität oder Kindergartengruppen sorgten für ein stimmungsvolles Programm.
Einen Ansprechpartner in vielen Belangen haben die Mitglieder der Volkssolidarität Chemnitz in den Mitarbeitern der Mitgliederbetreuung des Stadtverbandes. Diese verwalten nicht nur die Mitgliedergruppen, sondern begleiten diese, geben Anregungen für die künstlerische und kulturelle Selbstbetätigung in den Stadtteiltreffs und den Mitgliedergruppen, bieten Gesprächsrunden und Informationsveranstaltungen an und vermitteln soziale Leistungen der Volkssolidarität Chemnitz.
Ursprünglich während einer Stadtdelegiertenversammlung oder eines Verbandstages und seit 2015 mit einer eigens dafür organisierten Veranstaltung werden im feierlichen Rahmen verdienstvolle und langjährige Mitglieder der Volkssolidarität mit Urkunden, Ehrennadeln und Laudationes für ihr Engagement gewürdigt.
Die Mitgliederbetreuung steht den Mitgliedergruppen auch in schwierigen Situationen zur Seite, wenn bspw. altersbedingt Mitglieder der Gruppenleitungen wegbrechen oder die Mitgliederzahl stetig sinkt. Hier wird zumeist der Kontakt zu einer anderen Gruppe aufgenommen, damit sich die Mitglieder dieser anschließen können.
Mit einer Satzungsänderung im November 2015 reagierte der Verein auf eine gesellschaftliche Entwicklung. Viele Menschen bringen sich zwar gerne in eine Gemeinschaft ein. Deren Ziel solle jedoch nicht die Gemeinschaft an sich, sondern vielmehr ein gemeinsames Interesse sein. Daher beschlossen die Delegierten des 20. Verbandstages, dass es nun neben den Wohngruppen auch Interessen- und Selbsthilfegruppen unter dem Dach der Volkssolidarität Chemnitz geben kann. Ende 2020 bildete sich bspw. eine Interessengruppe, deren Mitglieder die Leidenschaft Line-Dance teilen.
Eine Sonderstellung nimmt der Seniorenchor der Volkssolidarität Chemnitz ein. In dieser Mitgliedergruppe sind das Singen und das Präsentieren des Vereins in der Öffentlichkeit ebenso gemeinsames Interesse wie die Gemeinschaft, die gemeinsamen Veranstaltungen und Ausflüge sowie die gelebte Nachbarschaftshilfe.
Im Jahr 2020 sollten der 75. Geburtstag der Volkssolidarität und das 30-jährige Bestehen der Volkssolidarität Chemnitz als gemeinnütziger Verein gefeiert werden. Doch dazu kam es nicht. Ausgerechnet das Jubiläumsjahr setzte eine besonders harte Zäsur für das ansonsten sehr vielfältige und bunte Mitgliederleben. Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie konnten nicht nur die Stadtteiltreffs über lange Zeit nicht mehr die Basis für die Arbeit und die Treffen vieler Mitgliedergruppen sein. Durch die Kontaktbeschränkungen war auch die ehrenamtliche Arbeit der Volkshelfer nicht mehr so wie gewohnt möglich. Ein Zettel im Briefkasten, ein vor der Tür abgestelltes Präsent oder ein Telefonanruf mussten notgedrungen die gewohnten Besuche oftmals ersetzen. Die Mitgliederzeitschrift „VS Aktuell“ wurde nicht mehr vorbeigebracht oder bei Versammlungen der Mitgliedergruppen ausgegeben, sondern direkt an die Haushalte der Mitglieder versendet.
Gemeinsame Treffen der Mitgliedergruppen, ihre geplanten Veranstaltungen und Ausflüge waren nur bedingt möglich und fielen größtenteils aus oder wurden auf eine unbestimmte Zeit verschoben. Ebenso konnten die „LichtNacht“, das „Bunte Herbstlaub“ und die Weihnachtsfeiern für die jungen Menschen nicht wie gewohnt stattfinden. Die für die Jubiläen angedachten Veranstaltungen mussten gleichfalls abgesagt werden. Das Mitgliederleben lag weitestgehend brach.
Zwischen den Lockdowns und nach der Pandemie lebte es jedoch wieder in seiner Vielfalt auf. Die Mitgliedergruppen trafen sich wieder, organisierten wieder Veranstaltungen und gingen gemeinsam auf Reisen. Aufgrund des demografischen Wandels und des hohen Alters vieler Mitglieder wurde daran festgehalten, die „VS Aktuell“ weiterhin an die Haushalte zu versenden. Der noch während der Pandemie beginnende Krieg gegen die Ukraine im Jahr 2022, der 2023 beginnende Gaza-Krieg und viele andere weltpolitische Ereignisse führten nicht nur zu einer Verteuerung der Lebenshaltungskosten in Deutschland, sondern auch zur Steigerung vieler Kosten für die Volkssolidarität Chemnitz. So fand das „Bunte Herbstlaub“ 2023 letztmalig statt. Ursachen dafür waren jedoch nicht nur die gestiegene Miete der Stadthalle Chemnitz und die Gagen der Künstler. Ebenso trugen der weitere Rückgang der Mitgliederzahlen sowie die altersbedingte Beschwerlichkeit vieler Mitglieder bei der Teilnahme dazu bei.
Seit 2022 präsentieren sich nicht nur die Einrichtungen des Vereins, sondern vor allem seine Mitgliedergruppen beim jährlich stattfindenden Mitmach-Tag. Für die Durchführung dieser Veranstaltung sammeln die Mitglieder ebenso Spenden bei der jährlich stattfindenden Listensammlung. Auf der Bühne laden u. a. der Seniorenchor der Volkssolidarität Chemnitz zum Mitsingen und die „Team Spirit Line Dancer Chemnitz“ zum Mittanzen ein. Auch die kreativen Zirkel nutzen die Veranstaltung, um zum Mitmachen bei der Volkssolidarität Chemnitz einzuladen – und neue Mitglieder für den Verein zu gewinnen. Diese können sich nun in Interessengruppen und Vosi-Gruppen einbringen, denn die Wohngruppen wurden 2025 in die identitätsstiftende Bezeichnung „Vosi-Gruppe“ umbenannt.