Nachthängerchen, Herrenstrampler & Co.

Zu einer Modenschau der besonderen Art hatte die Wohngruppe 030 am 1. Oktober in den Stadtteiltreff Clausstraße eingeladen.

Unter dem Thema „Unterwäsche im Wandel der Zeiten“ hatte Ingeburg Eger, Verantwortliche für Soziales, seit nunmehr 25 Jahren,  einmal wieder in ihrem großen Fundus an Kleidung und Accessoires gekramt. Seit den 80er Jahren geht sie dieser Sammelleidenschaft nach. Von Tante Gertrude, Freunden oder den Mitgliedern ihrer Wohngruppe wurden ihr Sachen zur Verfügung gestellt. Zu Hause hat sie Koffer mit Hüten und Schuhen, Bademoden und diversem Zubehör. Im Laufe der Jahre eignete sie sich das nötige Wissen über Schnitte und Stoffarten an. Irgendwann begann sie, Modenschauen zu unterschiedlichen Themen zu organisieren, die von der Wohngruppe gerne angenommen werden. So auch heute. 

Das Kaffeetrinken mit vielen Gesprächen, hier und da ein Lachen, neigte sich seinem Ende. Die knapp über 100 Mitglieder zählende Wohngruppe war fast zur Hälfte anwesend. Leise Musik im Hintergrund, noch eine letzte Mikrofonprobe, ein zaghaftes „Hallo“, was ein Echo der Anwesenden provozierte, dann wurde mit dem Löffel an ein Glas geklopft. Gespannt hörten nun alle zu.

Inge Eger eröffnete die Veranstaltung. Hinter den verschlossenen Türen der Nebenräume warteten die Models Dagmar Grünert, Gisela Püschmann aus der Wohngruppe und die Freunde der Volkssolidarität Christina Eger, Rico Grüner und Stefanie Schiller auf ihren Auftritt.

Mit bekannten Schlagern zum Mitklatschen wurde die Show untermalt. Los ging‘s mit „Opa Bruno“ alias Rico in Pantoffeln, langem Nachthemd, Zipfelmütze, Kerzenleuchter und Nachtgeschirr. Beifall und Lachen begleitete ihn auf seiner Runde durch das Publikum. Es folgte Giesela mit einem Baumwollnachthemd aus den 20er Jahren, Dagmar mit einem Hemdchen aus der gleichen Zeit mit oranger Schleife. Als sie das Hemd etwas lüpfte, kam ein schwarzes Chamoishöschen zur Freude des Publikums zum Vorschein. Christina präsentierte einen Baumwollunterrock und Stefanie ein Spitzennachthemd mit der sogenannten Schlitzhose für Damen, die in der damaligen Zeit wohl ihren praktischen Zweck hatte, wenn die Damen einmal für kleine Mädchen mussten.

Besonders aufgeregt waren die anwesenden Damen, als nun der Herrenstrampler (mit zwei Eingriffen und Mausefalle) vorgestellt wurde. Dazu lief der Puhdy-Hit „Geh zu ihr“ – alle bogen sich vor Lachen und hatten Freudentränen in den Augen.

Und so ging es weiter durch die Jahrzehnte begleitet von der sachkundigen aber auch mit einem Augenzwinkern gemeinten Moderation von Inge Eger. Zu den langen warmen Unterhosen aus den 30er Jahren kommentierte sie schmunzelnd: „Gut im Winter, bei Rheuma, Blasenschwäche, aber weniger geeignet für erotische Stunden.“

An diesem vergnüglichen Nachmittag folgten noch einige tolle Modelle: „Weißer Schwan“,  „Eskimo“ oder „Moulin Rouge“.

Die Models überzeugten mit kokettem Hüftschwüngen, vielsagenden Blicken und Gesten. Keiner scheute sich, die Kostüme zu tragen, ob nun ein aus Bettwäsche genähtes Flatterhemd oder die manchmal sehr duftigen Nachthängerchen. Den Spaß an der Sache merkte man ihnen an und das Publikum dankte mit Applaus. 

Schnell war die Zeit vergangen. Wieder einmal ein schöner Nachmittag mit viel Spaß und in Gemeinsamkeit. In diesem Sinne bedankte sich Wohngruppenleiterin Rosemarie Schnabel im Namen aller mit herzlichen Worten bei allen Akteuren, der Moderatorin und, nicht zu vergessen, bei den beiden fleißigen Helferinnen in den Garderoben Gerlinde Schlieder und Gabriele Uhlig.